Fragwürdiger Amsterdamer “Gebetstag” am 23. Juni 2012 in Köln
POS 22/06/2012 02:07:40
Die Großveranstaltung steht unter dem Motto “Zu Ehren Mariens, der Mutter aller Völker“. Mit dem Ausdruck “Mutter aller Völker” soll die kirchlich umstrittene Bezeichnung “Frau aller Völker” umgangen werden.
Daß es hier gleichwohl um die Verherrlichung und Verbreitung der Amsterdamer “Botschaften” geht, steht außer Frage.
Das Erscheinungs-Bild der sog. Frau aller Völker, die sich bezeichnenderweise direkt vor das Kreuz Christi stellt, findet man bei den Gebetstagen stets im Großformat im Altarraum, jeweils reichlich mit Blumen geschmückt. Auch beim jetzigen Werbeprospekt ist dies wieder klar erkennbar.
Die erscheinungsbewegte Versammlung der Amsterdam-Anhänger beinhaltet diesmal zwei religiöse Schwerpunkte:
Zum einen die Verkündigung der Amsterdamer Erscheinungen, zum anderen die “Botschaften Jesu an die hl. Faustyna Kowalska” mit Ansprachen (Zitaten aus dem “Tagebuch”), Lichtbildern und speziellem Rosenkranz zur “Göttlichen Barmherzigkeit” nach Sr. Faustyna - obgleich zwischen den beiden Privatoffenbarungen kein direkter Zusammenhang besteht.
Wie steht es nun mit der kirchlichen Position zu den Amsterdamer Botschaften der “Frau aller Völker, die einst Maria war” (wie sie sich dort selber bezeichnete)?
Manche Katholiken betonen, daß die „Erscheinungen von Amsterdam“ kirchlich anerkannt seien, weil Ortsbischof Punt von Haarlem diese befürwortet.
Dabei wird übersehen, daß diese Visionen jahrzehntelang nicht „nur“ vom zuständigen Bischof, sondern auch von der vatikanischen Glaubenskongregation sowie von unserem Papst (als er noch Kardinal Ratzinger war) amtlich abgelehnt wurden.
Hier seien einige Beschlüsse erwähnt:
Das Hl. Offizium in Rom (die Vorgängerin der Glaubenskongregation) erklärte am 6.4.1957, daß der Bischof von Haarlem „sehr weise und vernünftig“ vorgegangen sei, als er sich gegen die Echtheit der Erscheinungen aussprach und die Verbreitung ihrer “Botschaften” untersagte. Der römische Offizium stellte fest, daß „Schriften und Broschüren über diese Sache keine kirchliche Genehmigung erhalten können“.
Nachdem viele Amsterdam-Fans trotzdem weiter für die “Frau aller Völker” warben und eine erneute Untersuchung forderten, erklärte das Hl. Offizium am 25.8.1961, daß das „Nein“ des Vatikans endgültig sei:
„Das Hl. Offizium sieht keine Veranlassung, seine nach reiflicher Überlegung erlangte Entscheidung zurückzuziehen; sie betrachtet die ganze Frage als abgeschlossen. Der Oberste Hirte bittet daher die verehrten Professoren darum, Abstand von einer neuerlichen Untersuchung zu nehmen, da es sich – unter Einbeziehung der vollen Kenntnis der Fakten – um eine Verfügung des Hl. Stuhls handelt.“
Am 25.5.1974 stellte die Glaubenskongregation erneut fest:
„Als Folge weiterer Entwicklungen undnach einer neuen und gründlicheren Prüfung des Falles befestigt die Glaubenskongregation mit dieser Notifikation das bereits von kompetenten kirchlichen Autoritäten ausgesprochene Urteil und fordert Priester und Laien auf, alle Formen von Propaganda für die angeblichen Erscheinungen und Botschaften der „Frau aller Völker“ einzustellen.“
Diese Notifikation wurde von Kardinal Joseph Ratzinger am 2.4.1987 nochmal bestätigt, indem er die Botschaften der „Frau aller Völker“ ablehnte und sowohl ihre Verehrung wie auch die Anrufung zur „Frau aller Völker“ untersagte.
Das Ja des niederländischen Bischofs Punt zu den Amsterdamer “Erscheinungen” steht also im Widerspruch zum jahrzehntelangen kirchlichen Nein sowohl seiner Vorgänger wie auch des Vatikan.
Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

